Wild West Bd.1 - Calamity Jane (Splitter Verlag)

Die Geschichte einer starken Frau im Wilden Westen!



In der us-amerikanischen Geschichte bildet die Epoche des Wilden Westen's eine Zeitspanne, um die sich etliche Mythen und Legenden ranken. So werden bis heute aus jener nordamerikanischen Ära, Erzählungen von Männern überliefert, welche Viehherden durch die unendliche Prärie treiben, berüchtigte Banditen und Banden, die sich mit Postkutschen- und Zugrauben ihre Brötchen verdienen oder sich duellierende Revolverhelden mit flinken Fingern. Unterm Strich eine ziemliche raue, vom männlichen Geschlecht beherrschte Zeit und Domäne, in welcher es für Frauen keinen Platz gab - könnte man denken. Mit dem vorliegenden Auftakt des zweiteiligen Titels Wild West widmen sich Autor Thierry Gloris und Jacques Lamontagne dem Leben der weiblichen Wild-West-Legende Martha Cannary alias Calamity Jane.


Worum geht's ?

Das Leben in Omaha ist kein Zuckerschlecken, vor allem nicht für die noch sehr junge Martha Cannary, die zierliche Magd des örtlichen Bordells. Umgeben von Prostituierten und zynischen, testosterongeladenen Gästen, geht sie ihrer täglichen Aufgabe nach, jene von allerlei Flüssigkeiten versiffte Pinte sauber zu halten. Ein ziemlich ekelhafter Job für einen äußerst geringen Lohn. Allerdings ihre einzige Option sich über Wasser zu halten, ohne sich selbst verkaufen zu müssen. Eines Tages jedoch ereilt sie der schlimmste Albtraum einer jeden Frau: Sie wird vergewaltigt. Um sich ihren körperlichen Verletzungen und ihren weitaus schlimmeren seelischen Wunden anzunehmen, übernimmt ihr Chef, der Freudenhausbesitzer Mr.Hicks, neben den aufkommenden Arztkosten und der Verpflegung ebenso alles andere, was Martha's ohnehin schon ziemlich hohen Schuldenberg weiter wachsen lässt. Um die Schuld bei ihrem Zuhälter-Chef begleichen zu können, bleibt Martha nichts anderes übrig als auf Anschaffe zu gehen. Doch als sich ihr Leben allmählich in eine düstere, dreckige und hoffnungslose Endlos-Spirale zu verwandeln droht, trifft sie auf ihren Retter in der Not. Und zwar auf den berühmten Kopfgeldjäger Wild Bill Hickok, welcher der jungen Frau weis macht, dass egal, ob Mann oder Frau, jeder seines Glückes Schmied ist und das eine revolutionäre Erfindung eines gewissen Samuel Colt's für ultimative Gleichheit sorgt. Peng! Peng! Peng!

( Splitter Verlag - Leseprobe )

Bewertung:

Mit Wild West gelingt es dem Kreativ-Team eine eindrucksvolle Symbiose aus tiefsinniger Schreibe, allegorischer Darstellung und äußerst symbolistischen Bildern zu schaffen. Ohne die typischen Konventionen des Western-Genres zu lockern oder zu brechen, beschäftigt sich der Comic mit dem Thema Geschlechterrollen, sowie Chancengleichheit und überliefert passenderweise den Mythos der Calamity Jane, welcher das Sujet des Werks hervorragend ergänzt. Eine unfassbar stimmige, klug zusammengesetzte Klaviatur aus sehr interessanten Elementen, welche man in einer ästhetischen, düsteren, stellenweise fast schon lovecraftischen Bebilderung zur Geltung kommen lässt und in eine überaus dreckige, blutige und erbarmungslose Geschichte verarbeitet. Demgegenüber jedoch, herrscht handlungstechnisch wenig Spannung, wenige Überraschungen und generell ein deutlich geringerer Unterhaltungswert als anfangs angenommen. Der Comic ist zwar ein atmosphärischer und melancholischer atypischer Ausflug in die von mir sehr geschätzte Welt des Westerns, aber letzten Endes not my cup of tea.



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  • Autor: Thierry Gloris

  • Zeichner: Jacques Lamontagne

  • Format: Hardcover 56 Seiten

  • Verlag: Splitter Velag

  • Preis: 15,00 €


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