Spider-Man Noir: Berlin bis Babylon (Panini Comics)

Formelhaftes Pulp-Abenteuer in großartigen Bildern!



Nach dem Erscheinen des filmischen Animationskrachers Spider-Man: A New Universe von 2018, fristet auch der Noir-Spider-Man, welcher erstmalig im Jahr 2009 das Licht der Comic-Welt erblickte, kein tristes Schattendasein mehr. Denn im besagten Film, machte sich die noirske Spider-Man Inkarnation mit einem schneidigen Auftritt für ein breiteres Publikum bekannt und interessant. Demnach ist es durchaus fragwürdig, dass Marvel so überaus verspätet mit einem Solo-Comic über den düsteren Wandkrabbler daherkommt. Doch ebenso fragwürdig ist, was die Autorin Margaret Stohl im vorliegenden Band mit der Figur angestellt hat – während Künstler Juan Ferreyra brillante Noir-Seiten zaubert, die durchweg beeindrucken.


Worum geht's ?

1939 - Midtown Manhattan zur Mittagszeit: Unter dunklen Wolken bei sprießenden Regen schwingt sich der Detektiv Peter Parker durch Gebäudeschluchten, um flüchtende Gangster dingfest zu machen. Ein stinknormaler Alltag für die Spinne. Doch gerade als er genüsslich an seiner kärglichen, aber dennoch nahrhaften Zwischendurch-Mahlzeit, in Form eines gekochten Eies mümmelt und dabei zusieht, wie die Kriminellen, denen er zuvor noch auf den Fersen war, von den örtlichen Behörden abgeführt werden – kommt ihn ein alter Bekannter entgegen, den er einst vor Kraven's gefräßigem Tiger rettete. Es ist der Daily Bugle Reporter John Jonah Jameson, der Parker rasch die neuste Ausgabe des Bugle's vor die Nase hält. Die direkten Worte in der Schlagzeile kündigen einen mysteriösen Mordfall an, welcher den Ermittler an die gefährlichsten und entlegensten Orte der Welt führen wird.

( Leseprobe - Panini Comics )

Bewertung:

Rein visuell erweist sich der Comic als ein absolutes Meisterwerk. Denn in seinem unverkennbaren, überaus dynamischen Stil, adaptiert Künstler Juan Ferreyra auf fulminante Weise die traditionellen gestalterischen Charakteristika des Noir-Genres und verarbeitet diese stellenweise auf große One-Panel Seiten äußerst verspielt, sowie minutiös. Die Story hingegen hält den Leser eher in den Schmäh. Denn diese mutet zu Beginn an, ein atmosphärischer Krimi-Noir zu sein, doch entpuppt sich recht zügig als schablonenhaftes Pulp-Abenteuer, das mit einem schnöden Quäntchen Fantasy garniert wurde und somit großen Abstand zu den Vorgängern aus Feder von David Hine schafft, die mit ihren düsteren sowie hartgekochten Street-Level-Allüren weitaus überzeugender waren.

Autorin Margaret Stohl gelingt es zwar, mit ihrem Comic in gewisser Weise ganz dezente Indiana-Jones Vibes zu verströmen, doch verläuft sich konzeptuell ganz arg, indem sie unseren Noir-Spider-Man, nicht seiner zugedachten Rolle als professionellen Detektiv gerecht werden lässt, sondern vielmehr borniert, naiv und amateurhaft darstellt. Außerdem fungiert als großer Plot-Twist eine schlecht eingefädelte und vorhersehbar aufgelöste Intrige, durch welche reichlich Spannung flöten geht. Im Großen und Ganzen macht die Geschichte einen sehr unstimmigen Eindruck und lädt zum Gähnen ein. Eine meisterhafte Bebilderung, kann da auch leider keinen großen Unterschied machen und ebenso nicht sonderlich viel retten. Nicht gut, bleibt halt einfach nicht gut!



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  • Autor: Margaret Stohl

  • Zeichner: Juan Ferreyra

  • Format: Softcover 124 Seiten

  • Enthält: Spider-Man Noir (2020) #1-5

  • Verlag: Panini Comics

  • Preis: 15,00 €