Die Rote Nacht - Erik van Schoor

Ein überaus gelungenes Comic-Debüt!


( Erik Van Schoor )

Ursprünglich wollte der Künstler und Kurzfilmemacher Erik van Schoor, seinen klangvoll betitelten Mystery-Thriller „Die Rote Nacht auf die Leinwand bringen. Doch aufgrund ressourcentechnischer Problematiken wurde daraus leider nichts. Schließlich überkam dem guten Herrn die Idee, seine erdachte Geschichte in einen Comic zu verpacken und ganz in Eigenregie aus der Taufe zu heben. Das Resultat kann sich sehen lassen: ein wunderschön aufgemachter 300-Seiten-Klopper, der alles andere als ein Wermutstropfen eines gescheiterten Filmprojektes ist, sondern vielmehr ein imposantes Hallo an die große weite Welt der neunten Kunst.


Worum geht's ?

In einem imaginären, von Tragödien und Intrigen befallenen kreisfreien Stadtstaat sind Frieden und Zusammenhalt rar gesäte Tugenden. Denn eine aus kulturellen Gegensätzen geborene Antipathie innerhalb der vielseitigen Bevölkerung, spaltet die Menschen seit jeher. Nicht gerade die idealsten Voraussetzungen für eine reibungslose Ermittlung in einem Vermisstenfall, den der heißspornige Schatten-Gendarm Robert Hanfeld schon lange versucht zu lösen. Auf der Suche nach dem verschwundenen Mädchen namens Marla Bernstein geht Hanfeld jeder noch so kleinen Spur nach, die ihn schließlich zu einer abgelegenen fürstlichen Villa führen. Angekommen erweist sich der bereits kuriose Fall, als noch kurioser und die großen Räumlichkeiten des opulenten Anwesens avancieren sogar in eine tödliche Falle. Doch Hanfeld's Ehrgeiz sowie das Versprechen die verschwundene Marla zu finden und nach Hause zu bringen, welches er einem guten Freund gab, verleitet den Ermittler dazu, sich jeder Bedrohung in der schier aussichtslosen Lage furchtlos zu stellen.

Bewertung:

Mit einem sinnlichen Purpurrot, hetzenden Silhouetten, einem Meer aus Backsteingebäuden und flüchtigen Gassenimpressionen, erzeugt Künstler Erik van Schoor bereits auf den ersten Seiten ein eindrucksvolles Stimmungsbild, welches den Leser mit Hochspannung in ein fiktives viktorianisches Deutschland einführt. Die Inspirationsquelle für Die Rote Nacht ist dabei schnell gefunden und wird sogar im üppigen Nachwort erwähnt. So dienten die alten Edgar-Wallace-Krimi-Verfilmungen der fünfziger und sechziger Jahre als stilistische Schablone, was auf den 300 Seiten stets spürbar ist. Hinzukommt, dass sich der Künstler mit seinem reduzierten und dennoch trennscharfen Strich zwar weit von einem elaborierten Artwork entfernt, ihm aber eine sehr unterhaltsame, klare Bildsprache sowie eine überaus atmosphärische Untermalung der wendungsreichen Handlung gelingt, die wiederum mit zahlreichen Manierismen eines Agatha Christie Rätsel-Krimis daherkommt. Weniger verwunderlich ist daher, dass der Comic nach seinem actionreichen Prolog, ganz klassisch mit einem Verhör beginnt und über Rückblenden sowie mit streuhafter Informationsgebung die rätselhafte Handlung leserbefriedigend auflöst. Überdies kündigt sich simultan mit einem farblichen Sprung von einem Purpurrot in ein düster kaltem Taubenblau für den Leser an, dass man es nicht mehr mit einem Mystery-Thriller zu tun hat, sondern eher mit einer hochaktuellen Comic-Satire, welche in unmissverständlichen Dialogen scharfe Kritik sowohl gegen zu arg Links- als auch Rechtsorientierte äußert und das sehr durchdacht, verwoben in einem dichten Netz aus zahlreichen Twists. Chapeu, Herr van Schoor und willkommen in der Comic-Welt!



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  • Autor: Erik van Schoor

  • Zeichner: Erik van Schoor

  • Format: Hardcover 300 Seiten

  • Preis: 35,00 €