Der Kurier Bd.1 - Larve (Splitter Verlag)

Dystopischer Endzeit-Comic mit vornehmlichen Unterhaltungscharakter!



Für den französischen Drehbuch- und Comic-Autoren Tristan Roulot sind alternative Realitäten oder dystopische Szenarien keine neuen Comic-Spielwiesen mehr. Bereits im Jahr 2018 zog er die Splitter-Leser mit dem 64-seitigen Einzelband „Arale in ein gelungenes Whaf-If-Porträt, dass mit einem neuinterpretierten und dystopischen Russland aufwarten konnte. Ein wenig anders verhält es sich mit dem vorliegenden Projekt. Zwar schlendert Herr Roulot nach wie vor im tiefen Pfuhl einer Dystopie herum, landet aber einen gewaltigen Sprung von russischer Parahistorie in Richtung postapokalyptische Endzeitwelt und stellt mit dem ersten Band, gekonnt die Weichen für eine relativ vielversprechende Comic-Reihe, die jedoch optisch eher stiefmütterlich behandelt wurde.


Worum geht's ?

Die Ausbreitung eines eisenfressenden Bakteriums zerstörte alles. Die Erde, welche einst prallvoll mit imposanten Bauwerken angefüllt war und vor technologischem Optimismus strotzte, erinnert nur noch an ein hochgefährliches Stück Wildnis, in welchem der schillernde Glanz großer Metropolen im Geröll loser Gesteinsmassen verloren ging. Aber auch vor dem Menschen machte das besagte Bakterium keinen Halt. Es veränderte ebenfalls die Beschaffenheit des organisch gebundenen Eisens im Blute aller Lebewesen und rief bei einigen groteske Mutationen oder sonderbare Fähigkeiten hervor. Somit entstand quasi über Nacht, eine völlig neue Welt mit völlig neuen Regeln. Eine Welt in der sich ein Mann, den alle unter dem Pseudonym Kurier kennen, bestens zurechtfindet. Und das muss er auch, denn seine Aufgabe besteht darin das, was euch am liebsten ist, sicher ans Ziel zu bringen. Aber natürlich hat dies seinen Preis, der zunächst eher ungewöhnlich statt teuer zu sein scheint.

( Leseprobe - Splitter Verlag )

Bewertung:

Selbst Titel und Cover lassen unschwer erahnen, dass sich auf den Innenseiten des Albums ein dystopisches Szenario im klassischen Endzeit-Stil abspielt. Weniger verwunderlich sind demnach bestimmte Assoziationen, welche beim Lesen des Comics aufploppen. Denn die eindeutigen Parallelen zu „The Book of Eli oder „Mad Max, sind der nahezu unerschrocken generisch vorgelegten, postapokalyptischen Handlung nicht von der Hand zu weisen. Zugegeben ist „Der Kurier“ ein Werk, das weder über reißerische Innovationen noch über eine imponierende Ästhetik verfügt. Dennoch kann man dem Comic keine Eintönigkeit vorwerfen, da sich Autor und Zeichner glücklicherweise bewusst sind, dass olle Kamellen keinen frischen Tee geben. Demnach bedienen sie sich über ihren grundkonzeptionellen Rahmen hinaus an zusätzlichen Western- und Fantasy-Elementen, welche die Story mit einem flatterhaften Beiklang unterfüttern. Doch trotz dessen, will das Album erst im letzten Seitenviertel so richtig zünden und fesseln. So labt man sich eingangs an opulenter Action vorbei – die natürlich überaus brutal, aber auch überraschend gestaltet ist – und kommt anschließend aufgrund eines dichter werdenden Netzes aus Geheimnissen ins rätseln. Roulot inszeniert überaus schlitzohrig ein kleines Mysterium um die Hauptfigur, welches schließlich zum eigentlichen Dreh- und Angelpunkt der Reihe avanciert. Demzufolge wirft der Auftakt weitaus mehr Fragen auf, als Antworten zu geben und lässt einen gewaltigen Raum für Spekulationen, welcher jetzt schon die Begierde auf mehr wachruft.

Wovon man jedoch deutlich weniger möchte, sind die enttäuschenden Bilder des Zeichners. Partiell wirken diese ordentlich, dynamisch und effektvoll, aber größtenteils krude, vielmehr platt und manchmal sogar äußerst hölzernd. Trotz fehlendem Wumms im Artwork überzeugt der Comic mit einer atmosphärischen und figurengetriebenen Handlung, die vielverheißend startet.



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  • Autor: Tristan Roulot

  • Zeichner: Dimitri Armand

  • Format: Hardcover 56 Seiten

  • Verlag: Splitter Verlag

  • Preis: 16,00 €