Bouncer - Gesamtausgabe 1 (Schreiber & Leser )

Rau und dreckig, aber stilvoll !



Neben den drolligen, leider unterschätzen Western Geschichten um den größten Stiefstinkel der Comic-Welt Lincoln, hat der Hamburger Schreiber und Leser Verlag einen weiteren, ebenso unterschätzen heißen Western Geheimtipp in Petto. Die Rede ist von Bouncer, aus der Feder der chilenischen, Kultstatus genießenden, als Autor, Filmregisseur und Schauspieler, wie auch in anderen Bereichen der Kunst tätigen Kreativ-Koryphäe Alejandro Jodorowsky. Zu seinen Hauptwerken der neunten Kunst zählen in erster Linie die in Zusammenarbeit mit Zeichen-Legende Jean "Moebius" Giraud entstandenen Erzeugnisse wie, Der Incal oder auch Die Irre von Sacré Coeur, Gefangen im Irrationalen, sowie Der Irre von der Sorbonne, welche unter anderem beim Hamburger Verlag als Sammel-Trilogie betitelt mit Lust & Glaube erhätlich sind. Der Western-Titel Bouncer blüht da hingegen - völlig zu Unrecht - nur im Verborgenen, obwohl man ihm anprangert der härteste Western aller Zeiten zu sein. Nun, ich habe mich der ersten wunderschönen Gesamtausgabe angenommen, die die aufeinander aufbauenden Geschichten Ein Diamant fürs Jenseits und Die Gnade der Henker beinhaltet, und kann dem bisher nur nickend zustimmen.


Worum geht's ?

Barro City. Der Anziehungspunkt für Gesetzlose und jegliches Gesocks des Wilden Westens. Ein Ort an dem sich pöbelndes Gesindel versammelt, um niederen Gelüsten nachzugehen. Recht und Ordnung ? Fehlanzeige! Tja, dass scheint allen Anschein nach der Fall zu sein, aber im Infierno Saloon des Sündenfuhls gibt es jemanden, der genau dafür sorgt. Und zwar der vom Leben gezeichnete, einarmige Bouncer. Hält sich jemand nicht an die Hausregeln, werden ihm die Leviten gelesen. Doch folgendes hat der Rausschmeißer nicht kommen sehen. Eines Abends stürmt ein Junge in die Spelunke, dessen Schicksal ihn in eine von Hass, Gier und Rache getränkten Familienfehde aus vergangenen Tagen zurückwirft.

Bewertung:

Das Kreativteam erzählt hier äußerst stilgerecht eine konventionelle Western-Geschichte, die schon auf den ersten Seiten mit atmosphärischer Dichte überzeugt und mittels enthemmter Wortwahl, Tabubrüchen, sowie überaus erbarmungslosen Momenten klarmacht: So geht Western.

Diese Message hält Jodorowsky dem Leser sehr geschickt mit seiner einfach gestrickten, aber dennoch unterhaltend zynistisch geprägten Story entgegen, die ihren Fokus ähnlich wie The Equalizer oder Django auf Selbstjustiz und Rache richtet, mit dem Unterschied, dass die Charaktere viel abgefuckter sind und der Titel an sich viel härter.

Atmosphärisch akzentuiert wird das Dramaturgische natürlich von François Boucq's schludrigem Artwork, welches mit Feinheiten, wie einer aufwendigen Positur hinsichtlich des einarmigen Protagonisten hohe Qualität aufweist, aber auch mittels minutiös visualisierten Landschaften einen Style erzeugt, der stellenweise tatsächlich einem Moebius gleicht.

Comic-Leser, die sich des Öfteren, gerne knallhartem Bilderbuchstoff widmen und sich in einer Suhle aus vulgär gepfefferter Schreibe, sowie anstößigen Bildern wohlfühlen, werden auch Jodorowsy's Bouncer in ihr schwarzes Herz schließen. Davon bin ich überzeugt !



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  • Autor: Alejandro Jodorowsky

  • Zeichner: François Boucq

  • Format: Hardcover 136 Seiten

  • Verlag: Schreiber & Leser

  • Preis: 29,80 €


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